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Alghero: Katalanische Stadt auf Sardinien

Text und Fotographien von Andrea Arcais

Sommer, Sonne, Traumstrand. Das ist die Urlaubsdreifaltigkeit, mit der Sardinien zumeist beschrieben wird. Und natürlich hat die nach Sizilien größte Mittelmeerinsel von allen drei Zutaten reichlich zu bieten. Nicht, dass der kalendarische Sommer länger wäre als in unseren Breiten. Der gefühlte Sommer allerdings reicht auch schon mal gut und gerne bis Ende Oktober.

Die Strände Sardiniens gehören zu den längsten, das Wasser zum klarsten des Mittelmeeres. Schade nur, dass darüber das Land hinter den Stränden oft nicht wahrgenommen wird. Allerdings, das sei zur Erklärung nicht unerwähnt gelassen, sind die Temperaturen während der Hauptreisemonate Juli und August auch nicht gerade überzeugende Argumente für längere Ausflüge ins Inland. Überhaupt muss man natürlich sagen, dass der Hochsommer die denkbar schlechteste aller möglichen Reisezeiten ist. Die Hitze bringt einen schlicht um. Sind in dieser Zeit zwischen 13.00 und 17.00 Uhr noch Menschen ohne triftigen Grund unterwegs, können dies nur Touristen sein. Die Sarden jedenfalls verlassen ihre angedunkelten Häuser während dieser Zeit tunlichst nur, wenn sie einen schattigen Hof ihr Eigen nennen können.

Wer es möglich machen kann, der sollte die Insel in den Frühlingsmonaten bereisen und die für alle Sommerreisenden kaum glaubliche Blütenpracht der sardischen Landschaften erleben. Wer partout einen Badeurlaub (und basta!) braucht, der kann diesen nach der Saison bis Ende Oktober genießen - bei gemäßigteren, gleichwohl hohen Temperaturen zu Luft und im Wasser. Wer schulpflichtige Kinder hat oder, wie Abgeordnete, seinen Urlaub während der Schulferien antreten muss, der wird also seinen Badeurlaub auch weiterhin wie alle anderen Sonnenhungrigen antreten müssen.

Ein besonderes Highlight allerdings ist, und das ist kaum jemandem bekannt, die Zeit von Weihnachten bis Anfang Januar hinein. Im gesamten westlichen Mittelmeer bricht so etwas wie ein vorgezogener Frühling aus: Die Temperaturen steigen nicht selten bis 20 °C, Orangen- und Zitronenbäume stehen in voller Pracht und auch der Granatapfelbaum und andere Vegetation lassen den mitteleuropäischen Winter schnell vergessen. Das Wasser ist, das sei zugestanden, von seinen Temperaturen nicht besonders einladend. Jedenfalls nicht ohne Neoprenanzug. Dafür hat man die Insel zwar nicht für sich allein (die Sarden sind immerhin auch noch da und mit rund 3 Millionen auch nicht ganz zu übersehen), muss sie allerdings mit sehr wenigen Touristen teilen.

Die Fotographien dieser Reportage sind allesamt zwischen Weihnachten und Neujahr 2005 entstanden und nicht im Photoshop nachbearbeitet. Es herrschte eine Temperatur von zwischen 16 und 18 ° C, es hat nicht geschneit und nur sehr selten geregnet. Die Region, in der die Fotographien entstanden sind, liegt im Nordwesten Sardiniens, nennt sich „Nurra" und dehnt sich rund um die Stadt Alghero aus, die aus vielerlei Gründen mehr als eine Reise wert ist. Sie hält viele Besonderheiten, kulturell Interessantes, architektonisch Überraschendes und kulinarisch Überzeugendes bereit. Davon soll hier die Rede sein. Und wer es nicht lassen kann: Im Sommer kann hier auch trefflich gebadet werden.

Die erste Besonderheit, die Besuchern auffällt, wenn sie das erste Mal nach Alghero kommen, ist die Tatsache, dass die Straßenschilder in zwei Sprachen Auskunft geben. Alghero ist eine katalanische Sprachinsel. Dies könnte natürlich zu einer fast schon babylonischen Sprachverwirrung führen, ist doch schon das Sardische kein italienischer Dialekt, sondern eine eigenständige romanische Sprache. In Alghero allerdings wird zusätzlich noch ein katalanischer Dialekt gesprochen und so heißt eine Straße hier nicht nur „Via" sondern auch „Caller". 1102 wurde die Stadt von den Genuesern gegründet, allerdings nach der Unterwerfung ganz Sardiniens unter die Herrschaft des Königreich Aragon, 1354 vollständig von Katalanen besiedelt. Nach einem Aufstand hatte man zuvor alle Sarden entweder massakriert oder aus der Stadt vertrieben. Seitdem ist Alghero eine „katalanische" Stadt und hält diese Tradition bis heute kulturell lebendig. Wer durch die Altstadt flaniert, wird sich nicht umsonst an katalanische Städte wie Barcelona erinnert fühlen. Alghero ist eine der ganz wenigen Städte auf Sardinien, deren historisches Zentrum als komplettes Ensemble erhalten ist. Zudem liegt „Alguer", wie sie katalanisch heißt, mehr als malerisch. Die Altstadt ragt auf einer Halbinsel in eine weite Bucht hinein. Eine Promenade, die zur Meerseite hin zur Hälfte für den Verkehr gesperrt ist, dient als Flaniermeile für Einheimische wie für Touristen. Der Hafen ist heute weitgehend durch moderne Kaimauern vor dem Meer geschützt und beheimatet kaum noch Fischerboote, dafür umso mehr Segelboote und durchaus stattliche Jachten.

Alghero war und ist eines der Zentren des Tourismus auf Sardinien. Wobei „Massentourismus" mit seinen hinlänglich bekannten Begleiterscheinungen auf Sardinien bis heute weitgehend unbekannt ist. Lange bevor der Ismaelitenfürst Agha Khan die Nordostküste Sardiniens für den Jet-Set-Tourismus entwickelte und sie „Costa Smeralda" taufte, war Alghero schon eines der Seebäder des italienischen Königshauses. Dessen ehemalige Sommerresidenz ist heute das beste Hotel am Platz, trägt den Namen „Villa Las Tronas" und verwöhnt seine Gäste auf 5-Sterne Niveau. Exklusive Zimmer, die individuell mit historischen Möbeln ausgestattet sind, gelegen auf einer Landzunge, die weit ins Meer ragt, von der aus man einen phantastischen Blick auf die Altstadtkulisse hat, sowie ein gutes Restaurant, dass auch für Nicht-Hotelgäste offen ist, laden diejenigen Reisenden ein, die mit ihrer Urlaubskasse nicht knauserig umgehen müssen. Dazu aber später mehr.

Bevor man sich als Gast überhaupt einmal Gedanken über seine mögliche Unterkunft machen kann und lange bevor die Frage im Raum steht, in welches der nicht wenigen Restaurants, Osterien und Trattorie man einkehren möchte, steht die Frage: Wie komme ich nach Alghero? Um diese Frage beantworten zu können, muss man sich vor Augen führen, dass jedweder Aufenthalt auf Sardinien, abgesehen von wirklich reinen Badeurlauben, ein Auto auf der Insel voraussetzt. Nicht, dass der öffentliche Nahverkehr nicht ausgebaut wäre. Sie können tatsächlich per Bahn und Bus in jedes noch so entlegene Dorf gelangen. Nur Zeit müssen Sie haben. Wer keine Monate auf der Insel verbringen kann oder will, der sollte zumindest tageweise Zugriff auf einen PKW haben. Bleibt also nur Flug mit Autovermietung oder Sie fahren mit dem eigenen Wagen gen Süden. In diesem Fall nehmen Sie eine Fähre entweder von Genua, Livorno, oder Civitavecchia. (Am Ende dieses Berichtes sind alle praktischen Tipps zusammengefasst. Dort empfehlen wir auch Fähren und Häfen). Wer diese Art der Anreise wählt, sollte nicht gerade einen Aufenthalt von nur einer Woche oder zehn Tagen im Kopf haben. Immerhin müssen Sie bis zu Ihrem Hafen gelangen und dann noch einrechnen, dass Sie entweder eine Überfahrt mit Übernachtung buchen können (10 Stunden Dauer) oder, in den Sommermonaten, über Tag, was die Überfahrt aber auch nicht kürzer machgt. So oder so, in der Regel sind rund 2 Tage für Anreise und noch einmal so viel für die Abreise einzuplanen. 

Mit dem Flugzeug geht es selbstredend schneller. Sie können entweder mit Linie per Lufthansa oder per Billig-Flieger mit Hapag Lloyd nach Olbia im Nordosten Sardiniens fliegen, sich dort einen Wagen mieten und nach Alghero fahren (ca. 2,5 Stunden Fahrtzeit). Mit Ryan Air fliegen Sie direkt nach Alghero.

Unterkunft finden Sie in Alghero entweder in Hotels oder Appartmentanlagen. Wer lieber selbst kochen möchte, der findet auch ein großes Angebot an Ferienwohnungen, die direkt in der Stadt liegen, aber natürlich auch in der Umgebung. (Auch dazu am Ende weitere Informationen und Links) Wer sich eine Ferienwohnung mietet, wird das Glück erleben, in der städtischen Markthalle die hervorragend bestückten Gemüse- und Obststände und die nicht minder üppig durch Fischer belieferten Stände in der Fischmarkthalle, nicht nur als optisches Futter für seine Kamera, sondern für die eigene Küche nutzen zu können. Ganze Thunfische, Doraden, Meeräschen, Wolfsbarsche und Moränen, jegliche Art von Muscheln, Austern, Tintenfische, Calamares und Krustentiere warten auf früh aufstehende Kunden. Das frühe Aufstehen lohnt sich dafür auch im Urlaub. Sie werden begeistert sein.



Aber auch wer nicht, oder zumindest nicht täglich, kochen möchte, der findet ein gutes Angebot an Restaurants und Trattorie vornehmlich in der Altstadt. Die Küche in Alghero ist, wen wundert es, durch die Zubereitung aller denkbaren Meeresfrüchte geprägt. Besonders typisch in der Küche Algheros ist die Languste, die hier in „katalanischer Zubereitung"(gekocht in Salzwasser und dann serviert mit einer Vinaigrette und frischen, rohen, dünngeschnittenen Zwiebeln) serviert wird. Auch Paella wird in den meisten Altstadtgastätten angeboten. Deren Qualität ist allerdings zumeist zweifelhaft und man wird den Eindruck nicht los, dass dieses Angebot eher den vermeintlichen Erwartungen der Touristen an eine katalanische Küche, als eigener kulinarischer Tradition geschuldet ist. 



Hervorragend essen Sie garantiert und sehr unterschiedlich an drei Orten in der Stadt:



Das beste Restaurant am Platz ist nicht das Hotel-Restaurant von „Villa Las Tronas", sondern liegt in einer der vielen malerischen Gassen der Altstadt und heißt „Andreini". Die Gastgeber sind Profis durch und durch. Gebürtig aus Alghero haben sie ihr Handwerk, sowohl in der Küche als auch im Service und als Sommelier, auf dem italienischen Festland, in Spanien und in Frankreich gelernt. Vor vier Jahren sind sie nach Jahren der professionellen Wanderschaft zurückgekehrt und beglücken ihre Gäste nun mit einer Küche, die traditionelle algherische und sardische Gerichte bietet, zubereitet mit Produkten aus der Region und von allerbester Qualität. Die Küche gibt sich aber nicht damit zufrieden, einfach die traditionelle Küche nachzukochen, sondern gestaltet sie neu, interpretiert sie zeitgemäß ohne Firlefanz oder unnützen Klamauk. Alles was aus der Küche auf die Tische gelangt ist optisch top und vor allem geschmacklich herausragend. Eine ausgezeichnete und umfangreiche Auswahl nicht nur sardischer Weine, rundet das Vergnügen ab. Ich wage vorauszusagen, daß wer dort einmal einkehrt, zum Wiederholungstäter wird.

Der zweite Ort ist eine klassische Osteria. In einem ebenfalls historischen Haus, in einem ebenerdig gelegenen Raum mit Tonnengewölbe (aber sie werden feststellen: Was hat in Algheros Altstadt eigentlich kein Tonnengewölbe?) servieren die sympathischen Eigentümer schlichte, klassische Küche aus frischen Produkten zu fairen Preisen und halten eine kleine aber wohlausgesuchte Weinauswahl bereit. Der Laden heißt „Macchiavello".

Der ungewöhnlichste der angekündigten drei Orte ist zugleich auch das urigste der möglichen gastronomischen Vergnügungsstätten. Es handelt sich um eine Trattoria mit dem Namen „Al Tuguri". Hier wird immer nur ein Menü zubereitet, zu dem man JA sagen oder gehen kann. Herausragend ist das Menü, wenn es sich u.a. um ein im Kamin zubereitetes Spanferkel handelt aber ebenso wenn Fisch gegrillt oder in Wein zubereitet wird. Das Lokal ist sehr klein und dadurch für spontane Besuche nicht geeignet. In der Saison ist sowieso für alle drei Restaurants eine Reservierung dringend zu empfehlen.

Wer sich den kulinarischen Wonnen hingibt, der tut gut, sich zu bewegen. Rund um Alghero gibt es dazu sehr gute Möglichkeiten. Die Landschaft lädt geradezu zu Wanderungen ein - zumal man dies immer mit einem Ausflug in die nähere und weitere Umgebung verbinden kann. Wer sich nach Süden orientiert, der wird möglichst die Küstenstraße nehmen, die Alghero mit der ebenfalls interessanten und sehr schönen Stadt Bosa verbindet. Die Straße bietet zum Teil überwältigende Blicke sowohl in die Berglandschaft als auch auf Küstenabschnitte, Strände und die Weite des Meeres. Nach ungefähr einer Stunde Fahrt erreicht man Bosa. Dieses Städtchen liegt etwa 1 Km landeinwärts von der Mündung des Flusses Temo in das Mittelmeer. Der Fluss führt durch Bosa und die Altstadt säumt seine Ufer. Nehmen Sie sich etwas Zeit und wandern Sie durch die Gassen der an einem Hügel gelegenen Altstadt. Über der Stadt trohnt eine mittelalterliche Burg. Der Aufstieg wird mit einem herrlichen Ausblick belohnt. Und wen in Bosa der Hunger überfällt, der muss auch dort nicht darben. Das Restaurant des Hotels „Sa Pischedda" lädt ein und hält eine sehr gute, frische und klassische regionale Osteriaküche bereit. 


Wer sich von Alghero aus nach Norden orientiert, der tut gut daran, sich bis zur Spitze der nördlichen Landzunge der Bucht, Capo Caccia, vorzuwagen. Auf dem Weg dorthin wartet für archäologisch Interessierte eine große und hochinteressante Ausgrabung: Eine Burg mit ein sie umgebendes Dorf aus der sardischen Hochkultur der Nuraghen. Die Anlage wurde vor ca. 3500 Jahren erbaut und ist sehr beeindruckend. Literaturtipps auch dazu am Ende des Textes.



Aber auch Naturschönheiten warten entlang der Bucht von Alghero. An der Spitze, bei Capo Caccia, finden Sie eine Tropfsteinhöhle, deren Besuch sich lohnt und zu der Sie, bevor Sie eintreten können, erst einmal rund 600 Treppenstufen an der Steilküste heruntermüssen. Allein dieser Abstieg ist atemberaubend - nicht nur wegen der physischen Betätigung, sondern vor allem wegen des Ausblickes. Die Treppe wurde in den Fels gehauen und führt hinunter bis zum Meeresspiegel. Der Blick von Capo Caccia, entweder auf das offene Meer oder in die Bucht bis nach Alghero, entschädigt am Ende einer solchen Ausfluges und eines Aufstieges über die 600 Stufen.

Praktische Hinweise und Tipps:

Anreise mit Fähre:

Die modernsten Fähren bietet Ihnen die Gesellschaft „Grandi Navi Veloci - Grimaldi" von Genua nach Porto-Torres oder Olbia, je nach Saison.(www1.gnv.it/deu )

Gut sind auch die Fähren von Mobby Lines von Livorno nach Olbia oder Golfo Aranci.Von Civitavecchia aus können Sie die Fähren der italienischen Staatsbahn nehmen. Diese bieten keinen Luxus, sind aber in Ordnung.Keine Freude kam auf den Fähren der Gesellschaft Tirrenia auf, egal von welchem Hafen und egal wohin.Buchungen sind über alle Reisebüros in Deutschland möglich.
Flüge nach Olbia:
Lufthansa, Hapag Lloyd (von Hannover und Köln).
Flüge nach Alghero:
Rhyan Air, von Haan.

Unterkünfte: 
Guter Überblick im Internet unter: www.alghero.it

Hotel Las Tronas: Villa Las Tronas, Lungomare Valencia 1, Alghero, Tel: 0039 079 98 18 18 (www.hotelvillalastronas.it)

Für Ferienwohnungen: 

Im Internet: www.homelidays.com und www.sardiniaaccomodation.co.uk

Restaurants in Alghero:

  • Al Tuguri, Via Maiorca 113, Alghero. Tel 0039 079 97 67 22
  • Macchiavello, Via Cavour 7, Alghero. Tel 0039 079 98 06 28
  • Andreini, Via Arduino 45, Alghero. Tel 0039 079 98 20 98

Restaurant in Bosa:Sa Pischedda, Via Roma 2, Bosa. Tel 0039 0785 37 30 65

Weine und Weingüter in der Nähe von Alghero und Bosa:

Der Weinbau auf Sardinien hat in den vergangenen 15 Jahren enorme qualitative Sprünge gemacht. War sardischer Wein, bis auf wenige Ausnahmen, vor allem als schwerer, oxydativer Wein bekannt, der ansonsten vor allem über einen hohen Alkoholgehalt verfügte, ansonsten aber eher langweilig war, so hat sich das Bild bis heute vollständig verändert. 

Immer mehr - vor allem junge - Winzer setzen auf Qualität und entwickeln ihren eigenen Stil. Besonders spannend: Die meisten setzen dabei auf die heimischen Traubensorten. Hier können wir natürlich auch nicht annähernd einen Überblick über den sardischen Wein schaffen. Deshalb nur wenige Tipps für einen Aufenthalt in Alghero und ansonsten der Literaturtipp: Vini d´Italia, jährlisch im Hallwag-Verlag erscheinendes, umfangreichstes und zuverlässigstes Buch zum italienischen Wein. Herausgeber ist Slow Food Italien.

Weingüter in Alghero und Region:


Sella & Mosca (Loc. I Piani, Alghero. Tel 0039 079 997 700)in Alghero ist der älteste Privatbetrieb und produziert seit rund 150 Jahren zum Teil hervorragende Weine. Der Betrieb ist groß und produziert neben Masse auch eine wirklich hervorragende Qualitätslinie an Weinen. Die interessantesten sind:

  • Terre Bianche, ein fruchtiger und dichter Weißwein aus der autochtohnen Rebsorte "Torbato", die nur noch auf Sadinien und dort nur von Sella & Mosca angebaut wird.
  • Tanca Farra, ein dichter, fruchtbetonter und komplexer Rotwein. Dieser Wein ist eine Cuveé zu je 50% aus der sardischen Rebsorte Cannonau und Cabernet Sauvignon.

Die Genossenschaftskellerei Santa Maria la Palma (Loc. Santa Maria La Palma, Alghero. Tel 0039 079 999 008) ebenfalls in Alghero gehört zu den Qualitätsproduzenten. Hier vor allem:

  • Cannonau "Le Bombarde", ein gut strukturierter Rotwein

Tenute Soletta

(Via Sassari 77, Florinas, Tel 0039 079 438 160)ist einer der neueren privaten Weinbaubetriebe, die vor ungefähr zehn Jahren begonnen haben mit guter Qualität auf sich aufmerksam zu machen.Liegt im Landesinneren, nicht weit von Sassari, der Hauptstadt der gleichnamigen nördlichen Provinz, zu der auch Alghero gehört.


  • Cannonau di Sardegna Firmadu, dichter Rotwein mit Kräuternoten.

Wein aus Bosa und Umgebung:
Ein Muss für alle Weinfreunde ist der "Malvasia di Bosa". Aus der Malvasia-Traube wird ein in seiner Jugend fruchtig-süßer, sehr dichter Likörwein produziert. Die Tradition des Malvasia di Bosa geht bis auf die spanische/katalanische Besetzung zurück. Der Wein wird nach der Lese im August und der Gärung bis kurz vor Ostern im großen Eichenfass ausgebaut und zu Ostern zu einem kleinen Teil abgefüllt. Er schmeckt dann noch süß und wird zu Ostern getrunken.

Der größere Teil bleibt im Fass und reift dort noch mindestens drei weitere Jahre. Wenn er dann aus dem Fass in die Flasche kommt ist er trocken und hat einen wunderbaren Mandelton im Geschmack.
Gianvittorio Naitana:
(Via Roma 2, Magomadas bei Bosa. Tel: 0039 07853 5333). Der beste, aber leider auch von den Mengen kleinste Produzent des Malvasia di Bosa. Er ist vor allem ein großer Spezialist für die süße Variante des Malvasia.
* Planargia Muraspicados - so der Name seines Weines. Wenn Sie ihn bekommen - unbedingt probieren!

Fratelli Porcu:

(Loc. Su e Giagu, Modolo bei Bosa. Tel: 0039 0785 35420)
Die Brüder (Fratelli) Porcu hingegen stellen den besten trockenen Malvasia di Bosa her.
* Malvasia di Bosa. Schlicht und ergreifend - aber gut.

Columbu:
(Via Marconi 1, Bosa. Tel 0039 07853 73380)
Dieses kleine Weingut gehört zu den ganz wenigen, die den Malvasia di Bosa im Fass und anschließend in der Flasche reifen lassen, bevor er verkauft wird. Durch die Reifung gewinnt der Malvasia di Bosa an Charakter und Komplexität. Erinnerungen weckt dieser Wein an gute gereifte Sherry. Für Freunde reifer Weine eine große Freude.
* Malvasia di Bosa.

Literatur:

  • Reiseführer: Sardinien, DuMont Reise Taschenbuch
  • Wanderführer: Wandern auf Sardinien, DuMont aktiv
  • Essen: Osteriaführer von Slow Food: Merian Sardinien


Geschichte, Kunst, Kultur:

In Sassari, rund 40 km östlich von Alghero und neben der Hauptstadt Cagliari, die zweite größere Stadt (180.000 Einwohner) Sardiniens mit der ältesten Universität der Insel (300 Jahre alt) lohnt sich der Besuch des archäologischen Museums "Sanna" mit einer feinen Sammlung von Funden aus der Hochkultur der Nuraghen.



Ausgrabungen bei Alghero: Vor allem die schon erwähnte Nuraghensiedlung "Palmavera" sowie die Grabung "Anghelu Ruju" ca, 5 Km nördlich von Alghero auf dem Gelände der Weinkellerei "Sella & Mosca"
Wer sich für die kulturellen Zusammenhänge, die künstlerischen und architektonischen Ausdrucksformen und Werke sowie die sehr interessante archäologische Geschichte Sardiniens interessiert, ist leider gezwungen, im Antiquariat nach folgendem Buch zu suchen, dass vergriffen, aber antiquarisch häufig noch zu haben ist:
Rainer Pauli, Sardinien. DuMont Kunstreiseführer.